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Das Böse sitzt in Brüssel

26. September 2016

Mit einer beispiellosen Hasskampagne gegen Flüchtlinge bereiten Viktor Orbans Parteisoldaten die Ungarn auf das Referendum am 2. Oktober vor.

Der Gemeindesaal des Budapester Vororts Csepel ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Manche Besucher müssen im Vorraum stehen. Organisatorin Adrienn Kitzinger wundert sich über das grosse Interesse nicht. Ungarn sei in einer Notlage, «da muss jeder für sein Volk da sein.» Beim Eingang werden Flugblätter verteilt: Eine Fotomontage macht Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und EU-Parlamentspräsident Martin Schulz für die Anschläge in Paris und Brüssel verantwortlich. «Nur mit der Volksabstimmung können wir Brüssel stoppen», steht darunter.

 
«Gehen Sie kein Risiko ein!» Werbetafeln der Regierung für das Referendum auf einer Budapester Donaubrücke. Foto: B. Odehnal

Der Zürcher Psychoanalytiker Paul Parin wird in Wien neu entdeckt

31. August 2016

Zwei Brüder heben «wahre Schätze» aus dem Nachlass ihres Freundes. Und öffnen erstmals die Tür in Parins nachgebautes Arbeitszimmer – zu dessen 100. Geburtstag. 

Es ist alles da. Der drehbare Ledersessel, in dem der 2009 verstorbene Psychoanalytiker Paul Parin sass. Die grüne Couch, auf der seine Klienten lagen. Parins Schreibtisch mit dem Bakelittelefon aus den 50er-Jahren. Die Bücherregale mit Hunderten von Büchern, auf denen noch immer der kalte Zigarettenrauch klebt. Holzskulpturen, die Parin und seine Frau Goldy aus Afrika mitbrachten. Eine Holztruhe und ein metallener Aktenschrank. Nur der Blick aus dem Fenster ist ein anderer. Statt auf das Utoquai, den Zürichsee und den Uetliberg sieht man jetzt auf eine Hochschaubahn, den Prater und den Wienerwald. 


Goldy Parin-Matthey und Paul Parin, Niger 1960. Foto: Fritz Morgenthaler

«Back-to-back» – und dann war das Geld weg

9. Juni 2016

Über 700 Millionen Dollar wurden von ukrainischen Banken zu Offshorefirmen verschoben. Ein Teil davon lief über Liechtenstein. 

Er war russischer Spitzendiplomat, dann Geschäftsmann in Moskau und Kiew und verdiente als CEO und Verwaltungsratspräsident Millionen. Heute meidet Anatoli Danilitski das Rampenlicht. Sein Bankkonto auf Zypern wurde von der Justiz gesperrt, in der Ukraine wird gegen ihn ermittelt. Danilitski soll das Vermögen seiner ukrainischen Energobank abgezweigt haben. 

Viktors wundersame Welt

8. Juni 2016

Frankenschuldner leben in einem «Wohnpark» im ungarischen Niemandsland, eine Nostalgiebahn fährt nach Nirgendwo: zu Besuch bei Viktor Orbans Prestigeprojekten. 

«Aus der Schweiz kommen Sie? Und in den Wohnpark wollen Sie?» Die Verkäuferin in der Imbissbude an der staubigen ungarischen Landstrasse blickt die Besucher ungläubig an. Als wüsste sie nicht, ob sie die Idee für besonders mutig oder wahnsinnig halten soll. Sie entscheidet sich für einen sehr knappen Rat: «An Ihrer Stelle würde ich das bleiben lassen.» 


Leere Strassen, keine Schule, kein Arzt, kein Supermarkt: Die Siedlung für die ungarischen Opfer des hohen Frankenkurses. Foto: Flavia Forrer

Nachtzüge nach Deutschland könnten doch noch fahren

3. Juni 2016

Zum Fahrplanwechsel im Dezember stellt die Deutsche Bahn sämtliche Nachtreisezüge ein, auch jene in die Schweiz. Die Österreichischen Bundesbahnen wollen diese Chance nutzen. 

Es war seine letzte Bilanzpräsentation bei den Österreichischen Bundesbahnen: Kurz bevor Christian Kern zum österreichischen Bundeskanzler aufstieg, stellte er als Chef der ÖBB noch die Weichen für den Ausbau des Nachtzuggeschäfts. Aus österreichischer Sicht sei der Nachtverkehr auf Schienen weiterhin «attraktiv», sagte Kern im April und stellte sich damit demonstrativ gegen die Deutsche Bahn (DB), die mit dem nächsten Fahrplanwechsel im Dezember sämtliche Nacht- und Autoreisezüge einstellen will. Das wird nicht nur innerdeutsche Verbindungen betreffen, sondern neben anderen auch die Nachtzüge von Zürich nach Hamburg, Berlin, Amsterdam und via Dresden nach Prag. 

Millionen für Shoppingmalls und politisches Lobbying

29. Mai 2016

Aus «geistigem Eigentum» in der Schweiz will die Schaffhauser Stiftung Rising Tide 200 Millionen Dollar Gewinn gemacht haben. Das Geld landete auf den Cayman-Inseln.

«1,5 Millionen Dollar für Krebsforscher aus der Schweiz und Spanien!». So jubelte vergangenen Herbst die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für klinische Krebsforschung. Das Preisgeld für die ausgezeichneten Projekte kam von der Schaffhausener Stiftung «Rising Tide Foundation for Clinical Cancer Research». Ihre Schwesterstiftung Rising Tide ist ebenso philanthropisch tätig, als Partner der Schweizer Start-up-Förderung «Venture kick». Recherchen der «SonntagsZeitung» zeigen jedoch, dass diese menschenfreundlichen Aktivitäten möglicherweise Tarnung für Offshore-Geschäfte sind. 

Schweizer Stiftung im Visier der österreichischen Justiz

29. Mai 2016

Eine wertvolle Wiener Immobilie wurde von der Stadt an die Schaffhauser Stiftung Rising Tide verkauft – zu einem Spottpreis. Jetzt werden schwere Anschuldigungen laut.

Sie wurde als Eliteinternat mit «einzigartiger Mischung aus Wissenschaft, Musikund Kunsterziehung» gegründet: die Amadeus International School Vienna. Für die Erziehung zahlen Eltern aus Russland oder Asien bis zu 43 000 Euro pro Jahr. Aber nicht wegen der ausserordentlichen Leistungen ihrer Lehrer oder Schüler ist die Wiener Nobelschule jetzt in die Schlagzeilen geraten: Die österreichische Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Korruption und der Geldwäsche. Oppositionsparteien vermuten ein schmutziges Geschäft der Stadtregierung mit dubiosen Investoren und Off-Shore-Firmen.


Schule im Grünen mit vielen Problemen: Amadeus Vienna in der alten Semmelweisklinik in Wien. Foto: B. Odehnal

Mit Polizei und Militär gegen Flüchtlinge

2. April 2016

Österreich wirft der EU vor, sie schütze kaum die Aussengrenzen. Eine neue Mission zentraleuropäischer Staaten soll Aufgaben von Frontex übernehmen. 

Die Angreifer kommen aus dem Osten und dem Süden. Vereinigt stossen sie auf Griechenland vor, kleinere Einheiten nehmen Sizilien in die Zange. Zu erwarten sind Vorstösse aus dem Norden und über die Adria. Jene Karte, die das österreichische Verteidigungsministerium gestern an Journalisten verteilte, lässt nur einen Schluss zu: Europa ist in höchster Gefahr! 


Die Migrationskarte des Verteidigungsministers. 

Vorwärts in die Vergangenheit

11. März 2016

Marian Kotleba hetzte gegen Roma und Juden. Jetzt sitzt er im slowakischen Parlament.

Am zweiten Tag nach den Parlamentswahlen holte der slowakische Staatspräsident Andrej Kiska die Parteiführer zu Sondierungsgesprächen zu sich: erst den ruppigen Sozialdemokraten Robert Fico, dessen Partei Smer verlor, aber deutlich vor allen anderen Parteien liegt. Dann den selbstbewussten Neoliberalen Richard Sulík, dann einen Populisten, einen Millionär, einen Nationalisten und den Vertreter der ungarischen Minderheit. Nur einer durfte den Präsidentenpalast nicht betreten. Präsident Kiska erwähnte nicht einmal seinen Namen, warnte nur vor «radikalem politischem Extremismus in Uniform».

Der Ausgeschlossene schäumte: Der Präsident missachte den Willen von über zweihunderttausend Wählern, er trete damit die demokratischen Werte mit Füssen, postete Marian Kotleba, Führer der «Volkspartei Unsere Slowakei» (LSNS). Von seinen Anhängern bekam er Rückendeckung: «Lass dich nicht einschüchtern, Marian!», «Kiska ist ein Büttel der Amerikaner», «Das Volk ist mit uns».

«Unsere Stadt wurde verraten»

20. Januar 2016

Deir al-Zor, im Osten Syriens, steht kurz vor der Eroberung durch den Islamischen Staat. In Wien versuchen geflüchtete Bewohner verzweifelt, Nachrichten von ihren Freunden und Verwandten zu bekommen. 

Die neusten Nachrichten lassen nichts Gutes erwarten: Der Oberbefehlshaber der syrischen Regierungstruppen, Mohammed Kaddur, habe Deir al-Zor verlassen. Der Generalmajor sei im Kampf verwundet und nach Damaskus ausgeflogen worden, heisst es auf einer Internetsite der syrischen Regierung. «Aber das stimmt nicht», glaubt Omar B. «Unsere Stadt wurde verraten. Sie soll dem Islamischen Staat überlassen werden.» 


Strasse in Deir al-Zor nach eine Bombenangriff der Regierungsarmee. 

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