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«Wenn Russlands Vorherrschaft bedroht ist, macht Moskau immer einen Nazivergleich»

9. September 2014

Der ukrainische Politologe Anton Schechowtsow erklärt die Taktik des Kremls und den Einfluss rechtsextremer Gruppen in seinem Land.

Wladimir Putin und russische Medien warnen ständig vor der faschistischen Gefahr in der Ukraine. Wie stark sind rechtsextreme und neonazistische Gruppen wirklich?

Im Zweifel gegen den Angeklagten

26. Juli 2014

Puber: Die Zürcher Ermittler können aus den Fehlern der Wiener Justiz lernen. 

Das also war der gefürchtete Puber: Ein nicht mehr ganz junger Mann in weissem Hemd und schwarzem Sakko, der schüchtern auf der Anklagebank des Wiener Landesgerichts sass und zwei Tage lang nicht mehr als immer wieder sagte: «Das war ich nicht» oder «Das könnte ich gewesen sein».

Dieser Angeklagte hatte so gar nichts mit dem forschen Sprayer im schwarzen Kapuzensweater zu tun, der vor vier Jahren selbstbewusst im TA erklärt hatte: «Ich bin der Puber», und behauptete, er habe Tausende Graffiti gemacht, aber «keine Hundertstelsekunde» ein schlechtes Gewissen gehabt. Und doch. Der Angeber aus Zürich und der Angeklagte in Wien sind ein und dieselbe Person, daran besteht kein Zweifel.

Sprayer Puber in Wien verurteilt – und freigelassen

25. Juli 2014

Der Zürcher Renato S. erhält 14 Monate Gefängnis, die Untersuchungshaft wird ihm jedoch angerechnet.

Jene Frage, die sich alle stellen, kam erst ganz zum Schluss, und sie kam vom Staatsanwalt: «Was bedeutet eigentlich Puber?» Der Angeklagte Renato S. (30) zuckte mit den Schultern: Es sei einfach ein Name, «ich habe das nicht erfunden». Warum er seine Taten begangen habe, fragte der Staatsanwalt weiter, «was war Ihre Motivation?». Wieder kam nur Ratlosigkeit als Antwort von S.: «Ich weiss es nicht, ich habe mir nichts dabei gedacht.» Kurz danach verkündete Richter Wilhelm Mende im Wiener Landesgericht das Urteil.

Renato S. will in Wien nur 20- bis 30-mal «Puber» gesprayt haben

24. Juli 2014

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 30-jährigen Sprayer vor dem Landesgericht insgesamt 232 Straftaten vor. 

Mit Schnörkel oder ohne? Unterstrichen oder nicht? Kleines oder grosses E, geschwungenes oder gerades R? Stundenlang ist gestern diese Frage im heissen Verhandlungssaal 203 im Wiener Landesgericht diskutiert worden. Die Antworten entscheiden darüber, ob der Schweizer Renato S. ins Gefängnis muss und wenn ja, wie lange.


Renato S. vor Gericht. Foto: B. Odehnal

Gipfeltreffen mit Putins fünfter Kolonne

3. Juni 2014

In Wien berieten die Führer der russischen Eurasien-Bewegung mit westeuropäischen Rechtspopulisten, Aristokraten und Unternehmern über die Rettung Europas vor Liberalismus und Schwulenlobby.

Vergangenen Samstag in Wien: Rund um das Rathaus feierten Zehntausende den Life Ball, das grösste Benefizfest zugunsten HIV-Infizierter und Aidskranker in Europa. Auf der Bühne sang Conchita Wurst, davor tanzten Schwule und Lesben in burlesken Kostümen im «Garten der Lüste», so das diesjährige Motto des Balls. Zur selben Zeit aber berieten nur wenige Meter entfernt, im Stadtpalais des Fürsten Liechtenstein, Nationalisten und christliche Fundamentalisten aus Russland und dem Westen, wie sie Europa vor Liberalismus und der «satanischen» Schwulenlobby retten und wie sie die alte, gottgegebene Ordnung wiederherstellen könnten. Die Versammlung fand unter strengster Geheimhaltung hinter verschlossenen Türen und zugezogenen Gardinen statt. Sie wurde jedoch dem TA von zwei voneinander unabhängigen Quellen bestätigt.

«Wir fühlen uns betrogen»

9. Mai 2014

Mustafa Dschemilew, der Führer der Krimtataren, klagt über Repressionen.

Mustafa Dschemilew ist ein Verbannter im eigenen Land. Im grössten Teil der Ukraine kann er sich zwar frei bewegen, aber in sein eigenes Haus in seiner Heimatstadt auf der Krim darf er nicht zurück. Am 19. April fuhr der ältere Herr von der Tatarenstadt Bachtschissarai in die Hauptstadt Kiew. Als er am 2. Mai wieder zurück wollte, verweigerten ihm selbst ernannte Grenzwächter auf der von Russland annektierten Halbinsel die Einreise. Auch sein Versuch, via Moskau mit dem Flugzeug auf die Krim zu gelangen, misslang. Offiziell beteuert die russische Regierung, kein Einreiseverbot gegen Dschemilew erlassen zu haben. Doch auf dem Moskauer Flughafen wurde er sofort zurückgeschickt.


Mustafa Dschemilew vor der OSZE in Wien. Foto: B. Odehnal

«Am Anfang schwitzte ich Blut»

8. Mai 2014

Guido T. war Zögling im Kloster Fischingen, bereiste die Welt, wurde Seemann. Dann machte er Karriere als Einbrecher. Nun schildert ein Buch von TA-Mitarbeiter Bernhard Odehnal sein Leben. Ein Vorabdruck.

Guido T., reden wir über Ihre Karriere als Einbrecher und Tresorknacker. 1966 haben Sie sich von der Seefahrt verabschiedet und sind zurück nach Zürich. Wie sind Sie danach ins Verbrechermilieu gerutscht?

Ich bin zurück nach Zürich und habe gemerkt: Ich habe nichts. Keinen Beruf, keine Lehre, einfach nichts. Ich konnte weder schreiben noch richtig lesen oder rechnen. Solche Menschen wie ich suchen dann ihresgleichen. Die finden sie aber nicht in den Quartierbeizen, wo jeder mit seinem Beruf angibt: Der eine ist bei Oerlikon-Bührle, der andere bei der BBC. Da merkte ich gleich: In dieser Gesellschaft habe ich nichts verloren. Dann ging ich in die Bars an die Langstrasse und hörte sofort: Ah, hier sprechen sie meine Sprache. Die machen Fehler beim Sprechen, und keiner stört sich daran. Da bin ich zu Hause, da sind Typen, die kommen aus demselben Sumpf wie ich.


Unterwegs. Guido T. und ein Freund in Ägypten, Anfang der 80er Jahre

Das «Negerkonglomerat» war selbst der eigenen Partei zu viel

8. April 2014

Der österreichische EU-Abgeordnete Andreas Mölzer hetzte gegen die EU. Jetzt muss er auf die Spitzenkandidatur für die FPÖ bei der Europawahl verzichten.

Ein Veranstaltungssaal in Wien, Mitte Februar 2014: Die extrem rechte FPÖ-Politikerin Barbara Rosenkranz stellt ihr Buch «Wie das Projekt EU Europa zerstört» vor. Auf dem Podium sitzt neben Rosenkranz auch der freiheitliche EU-Abgeordnete Andreas Mölzer und der sagt in seiner direkten Art sofort seine Meinung: Eine Diktatur sei die EU, «dagegen war das Dritte Reich wahrscheinlich formlos und liberal». Ausserdem müsse sich die EU fragen, ob sie ein «Negerkonglomerat» sei, beherrscht von einer Bande von Lobbyisten.

«Ich möchte mich unabhängig bewegen»

4. April 2014

Dunja Mijatovic, OSZE-Beauftragte für Medienfreiheit, beklagt die Behinderung der Presse auf der Krim. Mit der Mission des Schweizer Sondergesandten Tim Guldimann habe ihre Arbeit nicht direkt zu tun.

Mit Dunja Mijatovic sprach Bernhard Odehnal in Wien

 

Dunja Mijatovic: Die OSZE-Diplomatin stammt aus Sarajevo, seit 2010 arbeitet sie in der Wiener Zentrale der OSZE als Beauftragte für Medienfreiheit. Foto: OSZE

Haben die Menschen auf der Krim Zugang zu unabhängigen Medien?

Sicher nicht in der Breite und Verschiedenheit, wie es wünschenswert wäre. Staatliche und private ukrainische Sender wurden von einem Tag auf den anderen geschlossen und durch staatliche russische Medien ersetzt.

Die Bewohner der Krim bekommen derzeit nur Nachrichten aus russischen Kanälen?

Die terrestrischen Radio- und Fernsehprogramme kommen alle aus Russland. Im Internet gibt es weiter ein breit gefächertes Nachrichtenspektrum. Nur konsumiert die Mehrheit der Bevölkerung jene Medien, die sie am einfachsten bekommt. Das sind die russischen.

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