Tagesanzeiger

Zürcher Anwalt im Visier von US-Ermittler

14. Mai 2018

Der Jurist Stephan Roh mit Russland-Verbindungen wurde in New York von Mitarbeitern Robert Muellers befragt. Er sieht in Russia-Gate eine Verschwörung – gegen Donald Trump.

Es ist der Albtraum von Amerika-Reisenden: Bei der Passkontrolle am New Yorker Flughafen wird man von schwer bewaffneten Beamten des FBI aus der Warteschlange geholt, in einen Verhörraum gebracht und stundenlang befragt. Genau das erlebte im vergangenen Oktober der Schweizer Stephan Roh. Das Verhör führten in diesem Fall jedoch nicht nur FBI-Agenten, sondern auch Mitarbeiter des Sonderermittlers Robert Mueller. Er soll mögliche Verbindungen des Wahlkampfteams von Donald Trump nach Russland aufklären.


Stephan Roh (ganz links) auf dem Podium des Valdai Clubs in Moskau, 2016.
Ganz rechts: Joseph Mifsud. Foto: Valdai Club

Als der Wert einer Schweizer Firma plötzlich explodierte

23. Januar 2017

Aus 40.000 Franken 6,4 Milliarden gemacht: Während General Electric in der Schweiz Stellen abbaut, ist dem US-Konzern mit seiner Tochterfirma ein Kunststück gelungen. Die Steuerbehörden haben nichts davon.

In nur 60 Minuten stieg der Wert einer in Baden AG registrierten Firma um das 167 500-Fache. Dieses Meisterwerk vollbrachte der US-Konzern General Electric (GE) mit seiner Aargauer Tochterfirma GE Energy Switzerland. Dabei blieb jedoch alles in der Familie: Am Montag, 21. Dezember 2015, 12 Uhr wurde GE Energy Switzerland von der holländischen GE Energy Europe an die ungarische GE Hungary verkauft. Für die Schweizer Firma zahlen die Ungarn lediglich den Preis der Stammaktien: 40 000 Franken.
 
Am selben Tag um 13 Uhr wurde GE Energy Switzerland von den Ungarn wieder verkauft – an jene Firma, die sie eine Stunde zuvor abgestossen hatte: die holländische GE Energy Europe. Als Verkaufspreis wird in ungarischen Dokumenten ein «marktkonformer Preis» genannt: 1860 Milliarden Forint oder 6,4 Milliarden Schweizer Franken. Den Holländern war eine Firma, die sie eine Stunde zuvor sehr günstig verkauft hatten, plötzlich Milliarden wert.

Ringier gibt «Népszabadság» auf

5. September 2012

Um die Fusionspläne mit Axel Springer nicht zu gefährden, verkauft der Schweizer Medienkonzern Ungarns letzte unabhängige Tageszeitung.

Von Bernhard Odehnal, Wien

Der Schweizer Medienkonzern Ringier möchte sein Engagement in Ungarn reduzieren und die Tageszeitung «Népszabadság» verkaufen. Was bisher nur als Gerücht durch ungarische Redaktionsräume geisterte, wurde vergangene Woche durch den Minderheitseigentümer der Zeitung bestätigt. Die Stiftung für freie Presse, die von der Sozialistischen Partei Ungarns gegründet wurde und ihr weiterhin nahesteht, hält derzeit 27,7 Prozent an der Aktiengesellschaft, Ringier hat 70,8 Prozent, der Rest gehört den Redaktoren. In einem Interview bestätigte der Stiftungsvorsitzende Laszlo Kranitz, dass Ringier seine Anteile verkaufen wolle. Die Stiftung habe ein Vorkaufsrecht und ein «korrektes Kaufangebot» präsentiert. Ringiergibt zu seinen Geschäftsbeziehungen keinen Kommentar ab. Ungarn ist das letzte Land im Osten Europas, in dem der Schweizer Medienkonzern noch keine Partnerschaft mit dem deutschen Axel-Springer-Konzern eingegangen ist. Die ungarische Medienbehörde will diese Fusion aber nur genehmigen, wenn sichRingier von «Népszabadság» trennt.

Russischer Angriff auf einen Schweizer Strafverfolger

26. Juli 2018

Eine aus der Trump-Russland-Affäre bekannte Anwältin will einen Schweizer Staatsanwalt zu Fall bringen.

Für Natalia Weselnitskaja ist die Zeit gekommen, um «in die Offensive zu gehen». Per Mail gibt die russische Anwältin im April dieses Jahres Anweisungen an zwei Schweizer Kollegen: Der ältere solle «sanft, aber beharrlich» auftreten, der jüngere «hart und aggressiv». Good cop, bad cop. Das Ziel: der Schweizer Staatsanwalt des Bundes, Patrick Lamon. Er ermittelt gegen Klienten des russisch-schweizerischen Anwaltstrios. «Wir sollten versuchen, ihn loszuwerden», empfiehlt der eine Schweizer Anwalt, als er der Russin zurückmailt. Belastendes Material über Lamon soll Zeitungen zugespielt werden und der Absender verborgen bleiben.

Berge der Verschwiegenheit

14. Juli 2018

 

Ein österreichischer Autor versucht verzweifelt, den Kanton Graubünden und seine Menschen zu verstehen. Das ist auch für ein Schweizer Publikum lesenswert.

So viele Superlative auf so kleinem Raum. Der grösste, der gebirgigste, der am dünnsten besiedelte Kanton der Schweiz ist Graubünden. Hier ragen nicht nur die meisten Gipfel über 3000 Meter in den Himmel, hier soll sich auch die höchste ständig bewohnte Siedlung Europas, das älteste Weingut Europas, der älteste prähistorische Felssturz der Welt befinden.


«Hundefresser» und «Kuhwürger»: Die Dörfer im Unterengadin haben seltsame Spitznamen. Foto: B. Odehnal

Österreichs Gewerkschaften wollen mehr EU

4. Juli 2018

Was in der Schweiz diskutiert wird, gibt es in Österreich bereits: Die Voranmeldung für ausländische Arbeiter ist abgeschafft. Wiedereinführen will sie niemand.

Die 8-Tage-Regel müsse bleiben, forderte Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds, im Interview mit dieser Zeitung. Denn sonst drohe das Schicksal Österreichs: Dort sei die Voranmeldung für ausländische Arbeiter abgeschafft. «Nun haben sie grössere Probleme, die Löhne zu kontrollieren. Und Ersatzmassnahmen wie die Arbeitgeberhaftung werden vor dem EU-Gericht angefochten.»

In seinem Blog legte Lampart nach: Gewerkschafter in Österreich seien sehr besorgt. Ohne Voranmeldung seien «Kontrollen und die Durchsetzung der Löhne stark erschwert». Wurde Österreich zum Paradies für Lohndumping?

Expedition in ein unbekanntes Land

22. Juni 2018

Kosovo fiel bisher vor allem als Unruheherd auf. Die aufregende Kultur und Natur des jüngsten Staates Europas warten auf Touristen. Mit einer Schweizer Reisegruppe auf Entdeckungstour.

Ein paar Meter noch bergauf, dann gibt der Wald den Blick auf ein beeindruckendes Panorama frei. Auf den Gipfeln liegt noch Schnee, darunter grasen Kühe auf saftigen Alpwiesen. «Es ist wirklich wie bei uns», staunt Katharina. Als Primarlehrerin in Luzern betreute sie in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Schülerinnen und Schüler aus Kosovo, die ihre Heimat mit den Schweizer Alpen verglichen. Die heute pensionierte Lehrerin konnte das nie so recht glauben. Jetzt steht sie zum ersten Mal selbst in der Gebirgslandschaft des Dreiländerecks Kosovo–Albanien–Montenegro und muss zugeben, dass die Schüler recht hatten. Mit einer Ausnahme: Eine Moschee auf 1100 Meter über Meer wird man in der Schweiz kaum finden.


Die Alpen des Kosovo: Blick über das Rugova-Tal Richtung Albanien

Die Verhaftung, die eine ganze Branche durchschüttelt

8. Mai 2018

Das Leben schien es mit M. S. gut zu meinen. Doch dann schlug die Justiz in der Treuhandfirma des Liechtensteiners zu.

In seiner Bar gingen Prominente aus Sport und Showbusiness ein und aus, seine Treuhandfirmen hatten Kunden aus St. Moritz, aus Kanada, Israel und von den Bahamas. Auch wenn S. in den USA von der Justiz gesucht wurde: In seiner Heimat Liechtenstein war der heute 53-Jährige ein angesehenes Mitglied der Gesellschaft. In Liechtensteiner Medien tauchte er als Gesellschaftslöwe auf oder als Finanzexperte auf der Suche nach neuen Geschäfts­modellen für Treuhänder: Liechtenstein solle reichen Familien «einen Platz für den Wohlstand» anbieten.


Liechtenstein in a nutshell: Links die Banken, rechts die Treuhänder, darüber der Fürst. 

Nun bekam S. selbst einen neuen Platz zugewiesen. Von der Liechtensteiner Justiz. Im Gefängnis.

Der letzte Zeuge

18. Januar 2018

Der Russe Alexander Perepilitschny starb vor fünf Jahren in England, vermutlich an Gift. Neue Ermittlungen legen nahe, dass sein Tod mit Ermittlungen der Schweizer Bundesanwaltschaft in Zusammenhang steht.

Am 10. November 2012 brach Alexander Perepilitschny beim Joggen in der Nähe seiner Villa in der englischen Grafschaft Surrey zusammen. Als die Rettung eintraf, war der 46-jährige Russe bereits tot. Was nach Organversagen aussah, wurde mit mehrjähriger Verspätung zum Kriminalfall: 2015 fanden Pathologen in Gewebeproben aus dem Körper des Toten Spuren des schnell wirkenden Gifts Gelsemium elegans. In der Kriminalgeschichte wurde es durch Morde bekannt, die chinesischen und sowjetischen Geheimdiensten zugeschrieben werden.

Ein Museum verschwindet

28. Oktober 2017

Eine einmalige Sammlung des Skirennsports hat sich in Liechtenstein in Luft aufgelöst. Die einzige heisse Spur führt nach Tirol – zu einem reichen, mächtigen Familienclan.

Ganz aufgegeben hat Lieselotte Schlumpf ihre Suche noch nicht. Obwohl die Hoffnung schwindet. Dennoch stellte die Therapeutin aus Wattwil Anfang Oktober einen Aufruf auf die Facebook-Seite ihres Toggenburger Nostalgie-Skiclubs: «Zeugen gesucht: Wir benötigen Hilfe, die Erinnerungsstücke unserer Väter zu finden.» So dramatisch das klang, konnte es doch nicht ganz die Grösse des Verlusts vermitteln: Denn es geht nicht nur um ein paar Erinnerungsstücke. Es geht um bedeutende Stücke aus der Geschichte des Skirennsports in der Ostschweiz, in Liechtenstein und Österreich.

Bis vor drei Jahren wusste Schlumpf diese Stücke in guten Händen – im Skimuseum Vaduz ihres Liechtensteiner Bekannten Noldi Beck. Der ehemalige Skirennfahrer hatte eine Sammlung zusammengetragen, die weit über die Grenzen des Fürstentums bekannt war. Selbst im fernen Kanada wusste man das Museum zu schätzen. John Fry, Vorsitzender des Internationalen Verbands für Skigeschichte, spricht von einer «einzigartigen Sammlung, die kommenden Generationen viel über die Anfänge des Skisports hätte erzählen können».

Hätte. Denn das Skimuseum von Vaduz ist verschwunden.


Skimuseum Vaduz, 2103. Zwei Jahre später wurden alle Exponate abtransportiert. Foto: privat

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